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iBeacon: Burner oder Strohfeuer?

Im Vorbeigehen Treuepunkte sammeln oder Sonderangebote direkt aufs Smartphone erhalten: iBeacon, der Technologie Standard von Apple, macht es möglich.

Wie funktioniert das in der Theorie?

Voraussetzung dafür sind kleine Sender, die in einem Raum platziert werden und von Zeit zu Zeit Bluetooth Signale aussenden. Kommt ein Kunde mit einem Smartphone plus App, die iBeacon Signale empfangen kann, in die Reichweite, bekommt er eine Push-Notification. So kann direkt am POS relevanter Content wie z.B. Infos über Produkte, Coupons oder eben auch Sonderangebote gezielt an den Mann oder die Frau gebracht werden.

Und wie funktioniert das in der Praxis?

Mal abgesehen davon, dass die technische Hürde App + Bluetoothbetrieb sehr, sehr hoch ist – aus Kundensicht, und die zählt: Will man das alles als mündiger Mensch überhaupt? Macht es das Einkaufen wirklich besser, wenn man wie ferngesteuert durch den Supermarkt streift, weil man permanent auf der Suche nach neuen Angeboten auf sein Handydisplay glotzt? Ganz abgesehen davon, dass nebenbei auch noch fleißig Daten über das Einkaufsverhalten gesammelt und zu Targetingzwecken ausgewertet werden. Fühlt man sich da nicht von diesen selbstscannenden QR-Codes – denn in Wahrheit sind iBeacons nicht viel anderes – zugespamt? Es reicht doch schon, wenn man an der Kassa mit der obligatorischen Frage nach Treue-, Sammel- und Rabattkarten konfrontiert wird, oder?

Ihr persönlicher Fluglotse

Dennoch muss an diesen iBeacons doch irgendwas dran sein. Und siehe da, es gibt durchaus sinnvolle Anwendungsszenarien: Stellen Sie sich vor, Sie stehen am Flughafen in der ewig langen Schlange vor der Sicherheitskontrolle. Ihr Abflug rückt näher und auf einmal bekommen Sie von Ihrer Fluggesellschaft eine Nachricht, dass Sie vorgereiht werden, damit Sie schneller passieren können. Und falls sich Ihr Gate geändert hat, bringt Sie die Technologie auch gleich auf schnellstem Wege dorthin. Diese Anwendung wird gerade auf Praxistauglichkeit von einer Vereinigung von Fluglinien und Flughäfen getestet. Und das wäre ja was, oder?

Der eigene Reiseleiter

Auch im kulturellen Bereich eröffnen sich neue Möglichkeiten: Teure, klobige Audioguides mit Kopfhörern werden einfach durch das Smartphone der Besucher ersetzt und schon ist allerlei Wissenswertes über Exponate in Museen und Galerien sowie Sehenswürdigkeiten bequem abrufbar. So gesehen im Big Apple, wo man auf einer interaktiven Karte via iBeacons Hot Spots, die von Einheimischen empfohlen wurden, entdecken konnte.

Fazit: Die Nutzung von iBeacons setzt vor allem eine große Freiwilligkeit des Users voraus. Und damit ist es so, wie mittlerweile fast überall im Mobile-Bereich. Aus Spaß an der Freud ist schon lange vorbei. Nur wo man einen relevanten Servicedienst bekommt, dort wird man als Kunde auch bereit sein, Bluetooth anzuwerfen und iBeacons zu nutzen. Kann der Absender diesen Mehrwert tatsächlich bieten, ist das Potenzial mit Sicherheit da. Wenn nicht, das Geld bitte lieber an Kreativdirektoren in Not zu spenden.

Quellen

Photo-Credit: Jona Nalder