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Shitstorm: Nur Fähnchen im Wind
zeigen nie Flagge.

Wer als Unternehmen emsig alle Social Media Kanäle von Facebook bis Twitter bespielt, kann im Nu Millionen Follower, Fans und Kunden gewinnen – oder auch verlieren: Ein falsches Wort, schon fliegt einem alles um die Ohren. Statt netter Likes und treuer Follower gibt’s plötzlich einen gewaltigen Shitstorm. Aber was genau ist damit eigentlich gemeint? Ein „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht“, so steht es im Duden geschrieben.

Doch wie kann man sich gegen Entrüstungswellen der Surfer wappnen?

Eine Möglichkeit, um nicht zur öffentlichen Zielscheibe zu werden, wäre möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, umstrittene Themen zu meiden und sich spontane Äußerungen gänzlich zu verkneifen. Schwammigkeit ist also wahrscheinlich die effektivste Vorsichtsmaßnahme, hilft aber wiederum nicht bei der so wichtigen Profilierung. Denn wer sich als Unternehmen nicht positioniert und seinen Standpunkt vertritt, wird weder ernst noch wahr genommen. Da liegt es in der Natur der Sache, dass wenn man Flagge zeigt, man es nicht allen recht machen kann und eben mitunter polarisiert.

Schließlich herrscht Meinungsfreiheit im Netz und in der digitalen Gesellschaft kann und darf jeder seinen Senf dazu geben. Und oft haben gerade die Trolls (Netzjargon für Personen, die ihre Kommunikation im Internet auf Beiträge beschränken, die auf emotionale Provokation anderer Gesprächsteilnehmer abzielen) dieser virtuellen Welt die Muse dies zu tun. Meist hasenfüßig unter dem Deckmantel der Anonymität und, weil sie prinzipiell Dampf ablassen wollen – von argumentativer Auseinandersetzung keine Rede.

Vom Orkan zum lauen Lüftchen.

Gerät man als Unternehmen ins Auge eines Shitstorms, heißt es Contenance bewahren. So geschehen im jüngsten Fall von easyjet, einer deutschen Billigfluglinie, die mit der durchwegs brisanten Botschaft „Inländer raus“ warb. Vor dem Hintergrund der kontrovers geführten Debatten um Flüchtlinge in Europa waren da zahlreiche Hasskommentare vorprogrammiert. Doch die Fluglinie konterte auf Kommentare wie „Fangt ihr schon mal an und verlasst unser Land“ auf humorvolle Art und Weise: „Jeden Tag mehrmals auf 93 Strecken. Und dann kommen wir wieder.“

Wenn man bedenkt, dass 89% der Kommunikation von den Menschen da draußen schlichtweg ignoriert, 7% negativ und nur 4% positiv aufgenommen werden, sollte die Devise erst recht lauten: Auffallen, auffallen, auffallen! Schon alleine um die Chance zu wahren, mehr Leute zu erreichen.

Ganz sicher muss man sich nicht aus Angst vor dem Schreckgespenst Shitstorm schon mal prophylaktisch alle Ecken und Kanten abschleifen, nur damit sich ja niemand aufregt. Dann doch lieber frei nach Oscar Wilde: „Es gibt nur eine Unannehmlichkeit, die peinlicher ist, als in aller Munde zu sein: nicht in aller Munde zu sein“. Und selbst wenn die Internetgemeinde noch so sehr in Rage gerät, im schnelllebigen Web 2.0 geraten Zwischenfälle solcher Art auch rasch wieder in Vergessenheit. Spätestens beim nächsten possierlichen Katzenvideo, das Millionen Likes erntet, ist der Spuk schon wieder vorbei.