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Wie Paywalls den AdBlockern Parolie bieten.

Im digitalen Krieg um Werbeblocker geht es einerseits um den freien Zugang zu Informationen und andererseits um gewaltige Umsatzeinbußen seitens der Webseitenbetreiber. „Bitte keine Werbung“ sagt sich alleine in Österreich jeder 5. User und hat bereits einen AdBlocker installiert. Denn abgesehen davon, dass digitale Werbung die Browsergeschwindigkeit reduziert, belastet sie auch die Akkus von Smartphone und Co. Speziell mobile Werbeformen werden oft als störend empfunden, da Platz am Display verbraucht und damit die Sicht auf den eigentlichen Content versperrt wird. Und dann werden auch noch Nutzerdaten zu Targeting- und Retargeting-Zwecken gesammelt, um die Werbung effizienter zu machen.

Das Resultat von AdBlocking ist, dass Internetfirmen und Medienkonzerne Werbeeinnahmen in Millionenhöhe entgehen. Weltweit wird die Werbeblockade die Verlage und Medienhäuser heuer rund 22 Mrd. US-Dollar kosten. Kein Pappenstiel. Vor allem, wenn man bedenkt, das sich die Online-Medien durch diese Gelder finanzieren und ihnen im Schnitt ein Viertel bis ein Fünftel der Werbeeinnahmen mit AdBlockern durch die Lappen gehen.

Kein Wunder, dass sich die Betroffenen langsam wehren und die Märchen vom Gratisinternetdienst bald nur mehr das sind, was sie von Anfang waren: zu gut um wahr zu sein. Bei Plattformen wie z.B. Spotify hat man sich bereits daran gewöhnt, dass man in der gratis Version zwischen den Liedern Werbung zu hören bekommt, das Premium-Abo hingegen werbefreie Zone ist. Und genau auf diesen Zug springen jetzt immer mehr Medienhäuser auf und ändern ihr Geschäftsmodell eben in Richtung „Abo Oder Ads“. Was ja nur fair ist.

Dass es trotzdem genug Anbieter, Vermarkter und Agenturen gibt, die lieber in die Entwicklung von AdBlocker Blockern setzen, spricht Bände. Der Plan, gegen den Einsatz von AdBlockern sogar gerichtlich vorgehen zu wollen, ist wohl nur als Akt der Verzweiflung zu werten und mutet an als hätte die Kommunikationsbranche vor 30 Jahren versucht, Fernbedienungen zu verbieten, um den TV-Zusehern das Wegzappen aus dem Werbeblock zu erschweren.

Der Honeymoon hat lange genug gedauert. Auch weil es so viele in unserer Branche glauben wollten. Aber der Lack von „im Netz geht alles und vor allem gratis“ ist längst ab. Was bleibt, ist das, was die Kommunikationsbranche spätestens seit den 1960ern beherrscht: viel Qualität oder viel zahlen.